Tag 9 – Donnerstag, 3. September 2022 –

Bitterfeld – Beelitz

Hier das Video als kurzer Abriss des Tages.

Danach ein paar Bilder, dazwischen hin und

wieder Kommentare und ganz zum

Schluss eine Bewertung des Zeltplatzes sowie

ein paar Anekdoten des Tages.

https://clipchamp.com/watch/LxFZQq8hEgs

Und hier die Route, die für Etappe 8 geplant

war:

Wie am Vortag schon beschrieben, war der

Abschiedsschmerz vom Campingplatz in

Bitterfeld überschaubar, daher nichts wie los.

In Bitterfeld wird manches auf die lange Bank

geschoben

In Mühlbeck

Zschornewitz

Gräfenhainichen

Wetterbericht

Mein erster Gedanke bei diesem Bild war:

‚Da will ich im Moment nicht sein.‘

Dumm gelaufen, dass ich zu dem Zeitpunkt

gerade genau da war.

Allerdings bin ich da durch geschossen wie der

Nagel durch Luthers Thesen, als er sie an

die Kirchentür genagelt haben soll…

Das allerdings auch nur, um ausreichend

kühlenden Fahrtwind zu haben. Ansonsten

hiess das Motto: durch da und weg hier….

Die enorme Hitze schien auch meinen

Sensoren, die die Gewebeglucose messen und

dadurch der Insulinpumpe die notwendigen

Trigger-Signale geben, zu schaffen zu machen.

Die Lebensdauer dieser Sensoren liegt im

Normalfall bei 7 Tagen, ist aber zum Teil

während meiner Fahrradtour schon nach 2 bis 3

Tagen beendet gewesen.

Zum Glück hatte ich ausreichend Ersatz

eingepackt und auch an meine „Tankstellen“

geschickt.

Die Elbe

Treuenbrietzen

Dieser Baum hätte bestimmt ein

paar Geschichten zu erzählen.

Etappenziel erreicht

Campingplatz

Der Campingplatz „Icanos“ am Seddiner See,

kurz hinter Beelitz, ist bemerkenswert und sollte

explizit erwähnt werden. Der Seddiner See ist

sehr idyllisch und liegt südwestlich von

Potsdam, also vor den Toren Berlins. Zelten

zwischen Kiefern im sandigen Boden, ein paar

Meter vom Seeufer entfernt. Dazu eine

Atmosphäre, als wenn ich per Zeitmaschine in

die 70er Jahre zurück gebeamt worden wäre.

Dieser Eindruck kam schon beim Empfang auf,

bei dem ein familiäres Miteinander herrschte

und alles sehr unkonventionell war. Quasi das

absolute Kontrastprogramm zum vorherigen

Zeltplatz. Passend dazu die Imbiss-Station von

Mario oder Luigi (ich hab den Namen

vergessen), in jedem Fall ein italienischer

Gastarbeiter der zweiten oder möglicherweise

auch driten oder vierten Generation, der

immerhin noch mit italienischem Akzent

ausgestattet war. Mario-Luigi konnte sowohl

Flutschfinger als auch Pommes anbieten.

Zugegeben, das ist kein Alleinstellungsmerkmal,

aber mit all den anderen Komponenten war das

die perfekte Ergänzung.

Irgendwie kam Hippie-feeling auf. Fehlte

nur der VW-Bus mit Pril-Blumen drauf. Bei

meiner erfolglosen Suche nach einem passenden

Arbeitsplatz wurde mir von einer

Platznachbarin ihre Installation mit Tisch und

Stuhl angeboten. Ich solle einfach so lange

bleiben, wie ich mag. Heutzutage frage ich mich

bei soviel Vertrauen und Offenherzigkeit schon,

was die Person geraucht hat… hätte aber auch

noch gepasst.

Dafür gabe es aber eine sehr saubere

Sanitärinstallation mit Duschmarken, „um

die Wasserverschwendung zu reduzieren“.

Gut, es mag nicht jeder sich wohl fühlen in dem

70er Jahre flair, das kann auch eine Altersfrage

sein, aber der Zeltplatz ist auch nicht

überlaufen. Das könnte jedoch auch daran

liegen, dass die Ausschilderung des

Campingplatzes irgendwo zwischen

„suboptimal“ und „lausig“ einzuordnen ist und

die Hilfe von ortskundigen Menschen

notwendig war, um überhaupt zum Platz zu

finden. Selbst mein Navigationssystem hatte

Probleme damit, und das hat sich als zuverlässig

und gut heraus gestellt.