Tag 8 – Mittwoch, 2. September 2022 –

Blütengrund (Naumburg) – Bitterfeld

Hier das Video als kurzer Abriss des Tages.

Danach ein paar Bilder, dazwischen hin und

wieder Kommentare und ganz zum

Schluss eine Bewertung des Zeltplatzes sowie

ein paar Anekdoten des Tages.

https://clipchamp.com/watch/ua2R3BonUCA

Tja, so malerisch, wie dieser Zeltplatz gelegen

und gestaltet ist, mochte ich fast nicht wieder

los fahren. Aber es half ja nichts, ich musste

weiter.

Also dann mal, Zelt abbauen. denn das hier ist

der Plan für den Tag:

aber ein paar schicke Fotos von unterwegs wollte

ich dann doch immer mal wieder machen.

Weißenfels

Die anhaltende Hitze hat für die Blutzucker-

Teststreifen, die zwar nur Reserve waren, aber

dennoch benötigt wurden, ein Problem

verursacht. Ganz offenbar sind diese Teststreifen

nicht darauf ausgelegt, höhere Temperaturen

deutlich jenseits der normalen Raumtemperatur

über einen längeren Zeitraum auszuhalten.

Gut, das ist möglicherweise nicht neu, ist mir

bisher allerdings nicht als Problem in

Erscheinung getreten.

Auf jeden Fall haben die Teststreifen nur noch

unrealistische Werte ausgespuckt.

Wetterbericht

Es ware mit etwas über 30°C schlichtweg zu

heiss für mich, aber der Fahrtwind hat etwas

Milderung geschaffen. „Augen zu und durch“

lautete die Devise. Ist beim Fahrradfahren keine

so gute Idee, ich weiss….



In Leipzig war dann auch mal wieder eine

Wäsche fällig. Nein, nicht dass ich als

ungepflegter Lotzi stinkend durch die Gegend

radel, aber mein treues Streitross brauchte auch

mal eine Ketten-Reinigung. Also ab zum

Kaufland, eine Dose Kettenreiniger aus dem

Standardsortiment geholt, dazu eine preiswerte

Zahnbürste und zwei grosse Pappen, die dort

ohnehin in der Getränkeabteilung anfallen und

schon stand der Ketten-Reinigung auf dem

Fahrradparkplatz nichts mehr im Weg.

Ein einladender Badesee

vor den Toren von Leipzig

Bei aller guter Laune, die durch das Fahren

verursacht wurde, waren folgende Verluste zu

beklagen:

Das Leben einer Maus, die mir zwischen Leipzig

und Bitterfeld direkt unter das Hinterrad

gesprungen ist. Ich hatte keine Chance mehr,

auszuweichen. Das hat mir (und ihr vermutlich

ebenso) den Tag sehr betrübt. Ich konnte aber

die Maus nicht finden, vielleicht hab ich sie ja

doch nur am Schwanz erwischt und sie ist mit

dem Schrecken davon gekommen.

Das andere, was noch verloren gegangen ist, ist

die Illusion, dass jedem Autofahrer ein

Mindestmass an gesundem Menschenverstand

gegeben sei. Haltet mich für naiv, aber ich habe

den Glauben an das Gute im Geiste eines

Autofahrers noch nicht verloren. Vielleicht

muss ich da nochmal in mich gehen.

Bitterfeld

Ach ja, in sich gehen sollten auch diejenigen, die

für den Strassenbau in Sachsen zuständig sind.

Kopfsteinpflaster ist sehr charmant und bringt

einen gewissen Charme der DDR mit sich, aber

in gleicher Weise ist das Kopfsteinpflaster der

Tod der Stossdämpfer und für Fahrradfahrer der

Felgen (in meinem Fall eher die Arme, da dort

die Kraft des Kopfsteinpflasters ankommt).

Und wenn es sich dann um einen steilen Berg

mit Kopfsteinpflaster handelt, dann ist das nicht

mehr lustig, weder bergauf noch bergab. Klar,

Geld ist begrenzt und es kann nicht jede Strasse

super toll gestaltet werden, aber wenn es sich um

ausgewiesene Radwege handelt, dann sollte das

Risiko eines Unfalls wegen schlechter

Strassenverhältnisse reduziert werden.

Etappenziel erreicht

Campingplatz

Aus gesundheitlichen Gründen (Typ 1

Diabetes) erhielt ich bei der Musterung zum

Wehrdienst seinerzeit das Qualitätsmerkmal

„T5“ (untauglich, noch nicht einmal zum

Kartoffel- Schälen geeignet, geschweige denn

zum Bleistift- Spitzen), somit habe ich nie

Wehrdienst leisten müssen. Daher weiß ich

nicht genau, wie es sich anfühlt, in einer

Kaserne zu sein. Aber das, was ich auf dem

Campingplatz in Bitterfeld erleben durfte,

könnte in etwa dieses Format sein.

Der Willkommengruß, als ich um 18:14 Uhr

(exakt 14 Minuten nach Schliessung der

Rezeption) am Kaserneneingang ankam, klang

mehr nach einem Schießbefehl.

Auch der Boden, auf dem ich mein Feldbett

aufschlug, war kochenhart und hatte in etwa die

Konsistenz von Kommissbrot (dafür kann die

Verwaltung zugegebenermaßen nichts). Die

Heringe in den Boden zu bekommen, war trotz

ausgeliehenem Hammer nahezu unmöglich, ein

paar Heringe haben dann auch ihre Form

merklich verändert (sahen auf einmal wie

Krabben aus).

Die Sanitäranlage war allerdings sehr gut und

gepflegt, auch konnte ich hier gut arbeiten und

hatte sowohl Strom als auch einen WLAN

Zugang (den ich für 100 Euro-Cent käuflich

erworben hatte). Alle Räumlichkeiten

(Sanitäranlage, Aufenthaltsraum mit

Kochgelegenheit) waren nur mit einer Code-

Karte zugänglich, die Personen-bezogen

ausgegeben wurde und nach Rückgabe beim

Abrücken aus dem Areal zum Verlassen des

Geländes berechtigte.

Es gab auch ein separates Restaurant, das habe

ich aber nicht mehr in Augenschein genommen.

Dafür bin ich durch diverse Grillwurst-

Duftwolken gelaufen, die appetitanregend

waren, zugleich aber auch etwas

desillusionierend, da ich ja nichts zu grillen

dabei hatte. Pech gehabt. Ich habs aber überlebt.

Die Kasernen-Atmosphäre hat es dann umso

leichter gemacht, am nächsten Morgen zügig zu

starten.

Hier noch einmal eine kleine Erinnerung, damit

das nicht in Vergessenheit gerät…